Wenn Kinder mit einem psychisch erkrankten Elternteil leben: Was tun, wie helfen?
Das farbenfroh illustrierte Büchlein trägt den Titel: "Das Jahr, in dem es anders war." Es erzählt die Geschichte von Ron, dessen Vater an einer Zwangsstörung erkrankt. Der Alltag in der Familie verändert sich, die Eltern streiten viel. Ron versteht das alles nicht und fühlt sich öfter allein. Den Durchbruch zur Besserung der Lage ermöglicht ein Hilfesystem, beginnend bei einer Psychotherapie für Papa. Ron fühlt sich gut in einer Gruppe der Beratungsstelle aufgehoben. Dort tauschen sich Kinder in ähnlichen Situationen aus. Das Buch endet mit der hoffnungsvollen Aussicht auf ein wieder gelingendes Zusammenleben in der Familie.
Entwickelt hatten das Kinderfachbuch und ein Begleitheft dazu vier Mitarbeitende der Kempener Beratungsstelle. Es kamen mehrere Umstände glücklich zusammen, um diesen kind- und fachgerechten Zugang zum Tabuthema zu entfalten. Da war dieser Traum der beiden Psychologinnen Anna Ern und Lena Menden, einmal ein Kinderbuch zu machen. Anna Ern liebt es zu gestalten, Lena Menden, in altersgemäßer Sprache zu erzählen. Diese Idee reifte in den offenen Diskussionen des Teams um Leiter Achim Wolters. Was dann noch fehlte, war der entscheidende Impuls von Prof. Dr. Andreas Wittrahm vom Diözesancaritasverband Aachen, es doch einfach zu tun.
Ausgestattet mit einer stattlichen Förderung durch die Caritas-Gemeinschaftsstiftung, ging das Team an die Arbeit. So muss man es sagen, denn die Erzählung von Ron wurde zusammen entwickelt. Alle möglichen Bausteine galt es zu besprechen, damit die Geschichte glaubwürdig und kindgerecht ist. Immer jenseits der regulären Beratungsarbeit, diskutierte das Team alle Klippen, um Klischees und Stigmatisierungen vorzubeugen. Das war im Rückblick ein sehr belebender Austausch auch über die eigenen Wahrnehmungen und Wertungen. Sukzessive entstanden dann die wunderbaren Illustrationen von Anna Ern und die ebenso begeisternden Texte von Lena Menden.
Hilfreiche Inspiration für Multiplikatorinnen und Multiplikatoren: Anna Ern und Achim Wolters haben zusammen mit Lena Menden und Verena Klingen ein Kinderfachbuch und ein Begleitheft dazu entwickelt.Thomas Hohenschue
Parallel erarbeiteten zwei sozialpädagogisch ausgebildete Mitglieder des Teams, Leiter Achim Wolters und Verena Klingen, ein Begleitheft zum Kinderbuch. Dieses fasst in kompakter Form Wissen und Hilfsangebote zusammen. Das Kompendium richtet sich insbesondere an Multiplikatorinnen und Multiplikatoren, zum Beispiel in Arztpraxen, Einrichtungen, Behörden. Sie sind nach der täglichen Erfahrung in der Beratungsstelle die wichtigsten Partner, um betroffene Kinder und Familien zu erreichen. Ziel ist es, Barrieren um das Tabuthema einzuebnen und Zugänge zu Hilfen zu schaffen. Das Leiden der Kinder braucht behutsame Begleitung und einen systemischen Blick auf die Familie.
Ein Beitrag aus Anlass des 20-jährigen Bestehens der Caritas-Gemeinschaftsstiftung für das Bistum Aachen. Allein die Dachstiftung förderte in diesem Zeitraum über 70 Projekte mit insgesamt rund 760.000 Euro. Mehr zu den Möglichkeiten, diese Arbeit mit eigenen finanziellen Möglichkeiten zu unterstützen, unter www.caritasstiftung-aachen.de.
Autor: Thomas Hohenschue