Wenn die Bindungsabbrüche ihrer Eltern Kinder überfordern und einsam machen
Stefan Hoffmans und sein Team von der Beratungsstelle für Eltern, Kinder und Jugendliche in Viersen kennen viele Situationen dieser Art. Sie beobachten, wie gerade jüngere Kinder den Trennungsdynamiken der Eltern hilflos ausgesetzt sind. Der Wucht der Gefühle können sie wenig entgegensetzen und wollen sich auch nicht für ein Elternteil entscheiden müssen.
Damit allein gelassen zu sein, die alte Sicherheit von vermeintlichen Selbstverständlichkeiten verloren zu haben, hinterlässt bei vielen betroffenen Kindern tiefe Spuren. Es geht oft ja auch weiter: Die getrennten Eltern kämpfen um Sorgerecht, Besuchsregeln, Anerkennung und Abgrenzung. Die Interessen des Kindes geraten dabei manchmal aus dem Blick und vermischen sich mit eigenen Bedürfnissen.
Stefan Hoffmanns und sein Team von der Viersener Beratungsstelle für Eltern, Kinder und Jugendliche begleiten Betroffene in Trennungs- und Scheidungssituationen.Thomas Hohenschue
Stefan Hoffmanns und sein Team versuchen, den Fokus von hoch strittigen Eltern von ihrem Konflikt auf das Wohl des Kindes zu verlagern. Die tief liegenden, manchmal auch guten Gründe für die Trennung sind dabei weniger das Thema. Vielmehr geht es um Verständigungen und Vereinbarungen, die den getrennten Alltag mit Kindern für diese verträglicher machen.
Alleingelassen mit Konflikten und Problemen der Bezugspersonen
Wichtig ist das zum Beispiel für die Momente, in denen Kinder in die Obhut des Ex-Partners oder der Ex-Partnerin gegeben werden. Branden dort erneut die Verletzungen, die Wut und Trauer auf, oder finden die Erwachsenen zu einer kindgerechten Haltung? Manche betroffenen Eltern kommen kaum aus ihrer Dynamik heraus und überfordern damit immer ihre Kinder.
So alleingelassen mit den Konflikten und Problemen ihrer nächsten Bezugspersonen, reagieren Kinder unterschiedlich. Es bleibt aber selten ohne Einfluss. Je nach sozialem Netzwerk fühlt sich ein Kind noch gemeinschaftlich eingebettet. Es kann sich aber auch einsam fühlen und diese Einsamkeit kann sich verfestigen, mit allen Folgen, psychosomatisch oder auch im Verhalten.
Wie andere Einrichtungen kann auch die Beratungsstelle das, was die Eltern versäumen, nur begrenzt kompensieren. Ein Gruppenangebot vermittelt betroffenen Kindern, dass sie nicht alleine sind in ihrer schwierigen Situation. Stefan Hoffmanns wirbt für Achtsamkeit gegenüber Kindern, die sich zurückziehen oder Aggressionen zeigen. Das können Signale für Belastungen sein. Motivierte Eltern können diese Perspektive in einem Elternkurs mit dem Namen "Kind im Blick", den die Beratungsstelle anbietet, erlernen.
Das Feld ist groß, woher familienbedingte Einsamkeit von Kindern und Jugendlichen stammt. Trennungen sind häufig ein belastender Faktor, aber auch psychische Erkrankung oder Sucht eines Elternteils. Und dann ist da noch das große Dunkelfeld der sexualisierten und körperlichen Gewalt innerhalb der Familie. Damit alleingelassen, kann die Einsamkeit kaum größer sein.
Autor: Thomas Hohenschue
Ein Beitrag aus Anlass des diesjährigen Teresa-Bock-Preises. Bis zum 13. Juni können sich Projekte um die mit 10.000 Euro dotierten Auszeichnung bewerben. Gesucht sind Vorhaben, die sich "mit Herz und Haltung gegen Einsamkeit" einsetzen. Mehr Infos und die Möglichkeit der Online-Bewerbung unter https://caritasstiftung-aachen.de/teresa-bock-preis/teresa-bock-preis-2026/.