Das Richtige getan – für Pfarreien wie auch für Kinder, Eltern und Mitarbeitende
Ortstermin in der Geschäftsstelle des Diözesancaritasverbandes Aachen. Aufgeräumte Stimmung. Vorfreude auf die neue Lebensphase, mit Kürzertreten und schönen Plänen. Mit am Tisch: Judith Graaf, eine der Fachberaterinnen des DiCV, die Kindertagesstätten im Bistum Aachen in wichtigen Fragen begleiten. Zu ihren Gesprächs- und Kooperationspartnern zählen die großen Träger profinos gGmbH für den Dürener und Eifeler Raum, die Thomas Pick leitete, und pro futura gGmbH für den Bereich der Aachener Region, die Heinz Zohren leitete.
Heinz Zohren (l.) und Thomas Pick gestalteten in den letzten 16 Jahren den Auf- und Ausbau der großen Kitaträger pro futura und profinos. Jetzt übergaben sie das Zepter an ihre Nachfolger.Thomas Hohenschue
Profinos trägt heute 42 katholische Tageseinrichtungen für Kinder, pro futura 46. Diese Zahlen sind nicht vom Himmel gefallen, sondern das Ergebnis beharrlicher Arbeit. Thomas Pick und Heinz Zohren lassen sich mit Fug und Recht als Pioniere bezeichnen. Beide leiteten 2010 bei der Gründung der Gesellschaften die drei Jahre zuvor eingerichteten Verwaltungszentren ihrer bistümlichen Doppelregion. Zu dem damals angestoßenen umfassenden Wandel der kirchengemeindlichen Verwaltungsbeziehungen und -abläufe gehörte die Idee, Pfarreien bei der Kitaträgerschaft zu entlasten.
Was die Reichweite dieser Vision betrifft, sind die Gesellschaften im Augenblick des Abschieds von Thomas Pick und Heinz Zohren an einer ähnlichen Dimension angelangt. Die Wege dahin waren allerdings sehr verschieden. Im Falle von Düren/Eifel entschied man sich, mit möglichst vielen Einrichtungen zu starten, und setzte diesen Willen mit verbindlichen Willenserklärungen um. Im Falle von Aachen-Stadt und Aachen-Land wählte man den Weg der Freiwilligkeit und Überzeugung und startete erst einmal mit nur sieben Einrichtungen und wuchs mit den Einrichtungen.
Beide Wege hatten ihre Logik und ihren Charme, bis heute sind beide Protagonisten in respektvoller Anerkennung des anderen Weges der Meinung, dass der eigene der richtige war. Wie auch immer: Die heutige Zeit zeigt, wie richtig und wichtig der Gedanke ist, dass eine Kita bestens in einem großen, professionell aufgestellten Verbund aufgehoben ist, der pädagogische Standards diskutiert, erarbeitet und nachverfolgt, die Personalverwaltung übernimmt, gesetzliche Vorgaben und Neuerungen im Blick hält, einheitliche Dokumentation und Qualitätsmanagement ermöglicht und vieles mehr.
In den mehr als 15 Jahren, in denen sie profinos und pro futura leiteten, hat sich die objektive Dringlichkeit eines Anschlusses immer weiter erhöht, sagen Thomas Pick und Heinz Zohren. Die Finanzierung der Kitas ist immer prekärer geworden, die rechtliche Regulierung immer komplexer, die Dokumentation immer aufwändiger, die elterlichen Erwartungen immer herausfordernder. Die Aufnahme von U3-Kindern ist heute eher der Regelfall als die Ausnahme. Und die personelle Situation in vielen Kitas ist belastet und fragil, Notbesetzungen häufen sich.
In all dem einen starken Partner zu haben, der Kirchenvorstände von ihrer Personal- und Finanzverantwortung entlastet, der eventuell sogar Personallücken mit einem Springerpool kompensieren kann, ist ein starkes Plus für die großen Träger. Und doch hält sich in manchen kirchengemeindlichen Köpfen noch der Vorbehalt, dass mit dem Trägerwechsel die Zugehörigkeit der Kita zum Gemeindeleben schwindet und eine pastorale Arbeit der Pfarrei mit den Eltern und Kindern erschwert wird - ein Vorurteil, das in keinem Fall den Tatsachen entspricht, betonen Thomas Pick und Heinz Zohren.
So ist es bei manchen Kita-Übergaben allein die Einsicht in die Notwendigkeit, welche die Entscheidung prägt. Auch das mag eine freie Entscheidung sein, aber es ist häufig nicht die Begeisterung für eine Idee von Innovation und Qualität, die in der Pionierphase den Aufbau der beiden Gesellschaften begleitete. Wie auch immer es sei: Im Augenblick des Abschiednehmens gehen Thomas Pick und Heinz Zohren mit dem Bewusstsein, das Richtige getan zu haben - für die beteiligten Kirchengemeinden einerseits, für die Kinder, Eltern und Mitarbeitenden andererseits.
Autor: Thomas Hohenschue