Caritas ruft zum Dialog mit und zwischen den Generationen auf
"Als christlicher Verband sind wir überzeugt: Jeder Mensch ist wertvoll - unabhängig von Alter, Herkunft, Leistungsfähigkeit. Unsere Sozialpolitik, unser Handeln müssen diesem Menschenbild gerecht werden", so Jentgens in einem Schreiben an den Verband weiter.

Er erinnerte an zwei Grundprinzipien der christlichen Soziallehre: Personalität und Subsidiarität. Personalität stelle den Menschen in den Mittelpunkt. "Er ist nicht Objekt politischer Maßnahmen, sondern Subjekt mit Würde, Rechten und Verantwortung über Generationen hinweg. Wer die Lebenswirklichkeit aller ernst nimmt, verbindet Generationen. Denn: Es geht um mehr als Strukturen. Es geht um Menschen." Subsidiarität erinnere daran, dass Hilfe dort ansetzen solle, wo sie gebraucht werde - möglichst nah am Menschen. "Nicht große Institutionen sollen alles regeln, sondern Menschen sollen befähigt werden, ihr Leben zu gestalten." Für den Dialog der Generationen, den die Caritas unterstützen wolle, bedeute das: "Es darf kein Dialog über, sondern muss einer mit und zwischen Generationen sein." Diesen Weg des Dialogs könne die Caritas nur gemeinsam gehen mit Generationen, Politik, Gewerkschaften, Wirtschaft, Zivilgesellschaft und Kirche. "Unsere Erfahrungen sind für diesen Dialog gefragt im Interesse der Menschen, die Unterstützung brauchen. Und im Interesse einer Gesellschaft, die Generationen gerecht wird.", so Jentgens
Aus ihrer Erfahrung als soziale Dienstleisterin und sozialpolitische Akteurin wisse die Caritas, wo die gesellschaftlichen Herausforderungen liegen. Der Generationenvertrag stehe unter Druck. Die Alterung der Gesellschaft, der Fachkräftemangel und die Herausforderungen der Pflege zeigten: Das soziale Sicherungssystem brauche neue Impulse. "Die umlagefinanzierte Rente muss zukunftsfest bleiben - durch gerechte Beiträge, auch von hohen Einkommen, und durch Anerkennung von Lebensleistungen. Gleichzeitig dürfen wir junge Menschen nicht überfordern. Sie brauchen Perspektiven, Sicherheit und Mitgestaltungsmöglichkeiten."
Ein großes Blow-up mit einem der Kampagnen-Motive der Caritas-Kampagne 2026 hängt in der Geschäftsstelle des Caritasverbandes für das Bistum Aachen.DiCV Aachen
Investitionen in frühkindliche Bildung bezeichnete Jentgens als Schlüssel für eine gerechte Gesellschaft von morgen. "Kinder und Jugendliche müssen in Familie, Schule und Politik gehört werden. Ihre Stimmen zählen. Ihre Zukunft ist unsere gemeinsame Verantwortung", so der Caritasdirektor weiter.
In der Pflege zeige sich, wie wichtig generationenübergreifende Solidarität sei, so Jentgens. "Was ist uns die Pflege wert? Diese Frage gilt nicht nur der Kind-Generation der Pflegebedürftigen, sondern allen Generationen." Damit verbunden seien faire Arbeitsbedingungen, gute Ausbildung und eine gerechte Finanzierung.
Generationen in Dialog zu bringen habe auch eine ökologische Dimension. "Klimaschutz ist keine Kür, sondern Pflicht gegenüber kommenden Generationen. Die Erde muss lebenswert bleiben - für Kinder und Enkel" Auch die Überforderung vieler Menschen - der jungen durch Leistungsdruck und Zukunftsängste, der älteren durch Einsamkeit und finanzielle Sorgen - müsse in den Blick genommen werden. "Wir dürfen diese Sorgen nicht gegeneinander ausspielen. Stattdessen braucht es Räume für Begegnung, Dialog und gegenseitiges Verständnis", so Jentgens.
Sorge bereitet dem Diözesancaritasdirektor, dass es in der Gesellschaft Kräfte gebe, die die Demokratie in Frage stellten. "Unter uns leben noch Menschen, die Krieg, Verfolgung, Unrecht, Zerstörung und Wiederaufbau erlebt haben. Sie sind für Jüngere wichtige Gesprächspartner. Wenn sich junge Wähler zu extremen Parteien hingezogen fühlen, setze ich meine Hoffnung auch auf jene, die erlebt haben, wie Demokratie ein Land voranbringt. Die Caritas kann diesen Dialog mitgestalten."
Quelle: Caritasverband für das Bistum Aachen