Bereit sein für die erste Hilfe, wenn sie Menschen in nächster Nähe brauchen
Schon wenige Handgriffe und Tätigkeiten können Leben und Lebensqualität des betroffenen Menschen retten. Dabei ist es ausgesprochen wichtig, nicht zu zögern, sondern gleich zu handeln. Das heißt vor allem: die Situation klären, Gefahren beiseitigen oder begrenzen, den Menschen ansprechen, andere wenn möglich einbeziehen. Wenn klar ist, es liegt ein medizinischer Notfall vor, sofort den Notruf 112 anrufen.
Ausbilderin Gabi Stein demonstriert an einem Teilnehmer, wie man einen bewusstlosen Menschen in eine stabile Seitenlage bringt.Thomas Hohenschue
Wenn der Mensch bewusstlos ist, als erstes prüfen, ob er noch atmet. Wenn ja: in stabile Seitenlage bringen, damit er vor Ersticken geschützt ist. Wenn nein: herzdruckmassieren und beatmen. Hier sollte jemand anders den Notruf wählen, denn es zählt jede Sekunde. Wenn ein Defibrillator in der Nähe ist, sollte ebenfalls jemand anders ihn holen und die Elektroden während der Massage und Beatmung anlegen. Dabei und danach übernimmt das Gerät die Regie und nach ihrem Eintreffen die professionellen Rettungskräfte.
Hört sich komplex an? Wenn man es im Erste-Hilfe-Kurs gehört und geübt hat, baut sich diese Hemmschwelle ab und man versteht: Falsch machen kann man nichts - falsch ist nur, die Hilfe zu unterlassen. Diese Sicherheit zu vermitteln, dass man selbst mit kleinen Mitteln eine große Hilfe für das Weiterleben eines Menschen leisten kann: das ist die Aufgabe von den Erste-Hilfe-Kursen der Malteser. Der Hilfsdienst bietet sie jede Woche an vielen Orten in der Diözese und ganz Deutschland an.
Ortstermin bei einem Erste-Hilfe-Kurs im Ausbildungszentrum auf der Hüls in Aachen. Gabi Stein erklärt und zeigt gerade an den Demonstrationspuppen, wie die Herzlungenwiederbelebung geht. Die Teilnehmenden schauen aufmerksam zu. Der theoretische Teil ist rasch absolviert, viel Zeit gehört dann dem praktischen Üben. Die Frauen und Männer schauen sich gegenseitig zu, üben auch miteinander das Ansprechen und Atemprüfen. Manche können sich das Gehörte und Gezeigte gleich merken, andere vergessen schon mal einen Zwischenschritt.
Die Teilnehmenden üben beharrlich die Abläufe einer Ersten Hilfe ein. Immer wieder gilt es, den Atem einer bewusstlosen Person zu prüfen.Thomas Hohenschue
Im Kurs sitzen zum Teil Leute, die das Ganze als Pflichtübung betrachten, zum Beispiel, um den Führerschein erwerben zu können. Andere wiederum sind von der Firma oder der Einrichtung geschickt, um Ersthelfer zu werden. Ausbilderin Gabi Stein erzählt, dass viele Unternehmen das Thema sehr ernst nehmen. Das Curriculum ist eng getaktet und genau vorgeschrieben, in Absprache mit den Berufsgenossenschaften, welche die Kursteilnahme in diesen Fällen finanzieren. Die anderen Teilnehmenden sind Selbstzahler, für einen ganzen Tag legen sie 70 Euro hin - gut investiertes Geld für Hilfe, wenn sie gebraucht wird.
Auch Stephan Werr liebt diese Arbeit mit Menschen, die Erste Hilfe lernen. Jede Gruppe ist anders, berichtet der Ausbildungskoordinator der Malteser in Aachen. Das Angebot ist vielfältig. Neben den Einstiegskursen gibt es auch Auffrischungskurse, Fortbildung genannt. Für betriebliche Ersthelferinnen und Ersthelfer sind sie alle zwei Jahre verpflichtend, um durch Wiederholung die Kenntnisse und Fertigkeiten zu festigen. Zudem kann dabei besser auf betriebliche und persönliche Besonderheiten eingegangen werden.
Stephan Werr unterstreicht, dass es auch anderen Menschen gut tut, nach einigen Jahren eine solche Auffrischung zu besuchen. Viele haben seit dem Führerschein nie wieder etwas mit Erster Hilfe zu tun gehabt, wünschen sich aber, im Fall des Falles die lebensnotwendige Unterstützung leisten zu können. Solche Menschen kennt der Ausbildungskoordinator und er freut sich über jeden, der sich auf diese Weise für die Nächsten engagiert. Das Thema ist mit Barrieren behaftet und jeder Kursbesuch baut diese Hürden ab.
Als weitere Bausteine für eine gute Erste-Hilfe-Ausbildung in der Fläche bietet der Malteser Hilfsdienst auch Inhouse-Schulungen an, für große Unternehmen, Einrichtungen und Organisationen zum Beispiel. Bei Chemiebetrieben gibt es einen Fokus auf Vergiftungen und Verätzungen, bei Sportvereinen einer auf Sportunfälle. Auch Kitas und Grundschulen sind Adressaten, hier gibt es wiederum maßgeschneiderte Schulungen in der Ersten Hilfe für Kinder. Die Malteser machen alles passgenau möglich.
Autor: Thomas Hohenschue