Belebend und inspirierend: Fotoprojekt im Pflegeheim führt Generationen zusammen
Blicken auf eine gelungene Kooperation im Haus St. Raphael Aachen zurück (v.l.n.r.): die Studentinnen Sarah Leininger und Hannah Ochs, Quartiersmanagerin Margit Umbach und Professor Lorenz Gaiser.Thomas Hohenschue
Was bei diesen Begegnungen entstand, ist einerseits sichtbar und so sollte es ja auch sein. Denn der Auftrag, den die Studierenden des Fachbereichs Gestaltung im Lehrbereich Fotografie ausführten, hieß: Porträtiert Menschen, die im Pflegeheim leben, arbeiten, sich engagieren. Authentisch statt Hochglanz, so lautete die Vorgabe ihres Professors Lorenz Gaiser. Eine Ausstellung und der Katalog dazu dokumentieren eindrucksvoll den Reichtum an Persönlichkeiten, den die Studierenden bei ihrer Arbeit entdeckten. Die ungestellten und ungeschminkten Bilder fangen die Würde und Einzigartigkeit eines jeden Menschen ein. Handgeschriebene Texte und Detailaufnahmen umrahmen die Porträts und komplettieren sie.
Bei der Arbeit der sechs Studierenden im Haus St. Raphael entstand andererseits auch vieles, was man nicht sehen kann. Bei den Fotoshootings geschah manches Unvorhergesehenes. Nicht jeder, der fotografiert wurde, mochte viel reden. Mancher konnte es nicht mehr. Zugleich wurde auch viel gelacht, Erinnerungen an Kindheit und Jugend traten zu Tage, Lebensfreude und Lebenskraft, die in vielen auch im hohen Alter stecken, zeigten sich. Die Situation beseelte alle Beteiligten, betont auch Quartiersmanagerin Margit Umbach, die das Projekt initiierte und begleitete. Das vielbeschworene Miteinander der Generationen: Das Potenzial ist da, wenn es so neugierig, offen und wertschätzend gestaltet ist wie in diesem Projekt.
Hannah Ochs ist immer neugierig und offen für soziale Themen.Thomas Hohenschue
Sarah Leininger hat biografische Bezüge zur Pflegearbeit.Thomas Hohenschue
Beispielhaft schildern Hannah Ochs und Sarah Leininger, was diese Studienarbeit mit ihnen machte. Hannah ist immer neugierig und offen für soziale Themen. Sarah hat biografische Bezüge, ihre Mutter arbeitet in der Pflege. Beide blicken auf viele Situationen und Gespräche zurück, die sie bewegt haben. Eindrucksvoll die Liebe und Fürsorge, die Angehörige, Mitarbeitende und Ehrenamtliche im Umgang mit den alten Menschen beweisen. Gleichwohl tun sich Beklemmung und Fragen auf, zum Beispiel wenn ein Bewohner sagt: "Ich habe Heimweh, aber ich habe kein Heim mehr." Manche Lebensweisheit hat die jungen Frauen bewegt. Eine Bewohnerin, die schon alle Freundinnen im Alter verloren hat, sagte: "Was vorbei ist, ist vorbei."
Tod und Vergänglichkeit, die vermeintlich weit entfernten Themen eines jeden Lebens, haben die Studierenden im Zuge des Projektes beschäftigt. Ein größerer Teil der Bewohnerinnen und Bewohner, die sie fotografiert hatten, ist während der Fertigstellung von Ausstellung und Katalog verstorben. Ihre Porträts und damit die Persönlichkeiten, die Hannah, Sarah und ihre vier Mitstudierenden festgehalten haben, überdauern diesen Abschied. Auch in deren Erinnerungen leben die Menschen fort, mit ihren Besonderheiten, Leidenschaften, Stärken, Hobbys. Manches davon spricht aus den dokumentarischen Arbeiten. Das Projekt zeigt, dass wir in jedem Lebensjahr bereits die Menschen sind, die wir im Alter sind. Eine wertvolle Inspiration.
Aktuelle Ausstellung, modellhaftes Projekt
Die Ausstellung "Who cares" zieht in den nächsten Monaten durch das Bistum Aachen. Aktuelle Station ist bis Ende September das Bildungszentrum für Pflege und Gesundheit in der StädteRegion Aachen (BZPG), Mauerfeldchen 29 in Würselen. Sabrina Grafen und Barbara Schubert vom BZPG stehen unter Tel. 02405 4084-134 bzw. -135 gerne zur Verfügung, um Termine für eine Besichtigung abzumachen.
Das Fotoprojekt im Haus St. Raphael erfüllt für Margit Umbach vom Quartiersnetz Laurensberg in modellhafter Weise eine wichtige Aufgabe in unserer alternden Gesellschaft. Sie sagt: "Pflegeheime sind mehr als Orte der Versorgung. Sie sind Lebensraum, Arbeitsort und fester Bestandteil unserer Quartiere." Um das erlebbar zu machen, suchte die Quartiersmanagerin die Kooperation mit der Fachhochschule.
Autor: Thomas Hohenschue