Altenheim als Passivhaus gebaut: mutige Entscheidung, die bis heute nachhaltig wirkt
Es ist super gedämmt, braucht entsprechend kaum geheizt zu werden und gewinnt sogar Wärme aus der Abwärme von Menschen und Maschinen zurück. Eine aufwändige, aber effiziente Bauweise.
Das lohnt sich bis zum heutigen Tag, zeigt Geschäftsführer Frank Polixa den Vergleich mit anderen Häusern des Verbands. Man kann sehr gut an den Zahlen ablesen, welchen baulichen Standard die jeweiligen Einrichtungen erfüllen. Ein alter Backsteinbau mit Elektroheizungen ist etwas ganz Anderes als dieser Goldstandard, der in Neuwerk verbaut wurde. Ein Passivhaus ist teuer. Die damalige Investition kommt im besten Fall binnen 50 Jahren über entsprechende Umlagen wieder herein.
Für die älteren Menschen ist es häufig eine Herausforderung, die Wirkungsweise des Passivhauses zu verstehen. So braucht niemand die Fenster zu öffnen, da immer frische Luft in Zimmern und Fluren zirkuliert. Das kennen die meisten nicht, wissen auch Marlene Konnertz (auf dem Sofa rechts), Vorsitzende des Bewohnerbeirats, und ihre Stellvertreterin Elisabeth Hecken. Darüber tauschen sich Frank Polixa und Margrit Mixdorf mit ihnen aus.Thomas Hohenschue
Heute profitieren davon Bewohner, Angehörige und im Falle des Falles die kommunalen Leistungsträger, weil die Pflegesätze niedriger ausfallen. Frank Polixa würde sich wünschen, dass in den heutigen Zeiten explodierender Baukosten die öffentliche Hand mutige Träger besser unterstützt, im Sinne einer Win-Win-Situation, die zudem die Umwelt und das Klima einschließt. Die Caritas in Mönchengladbach bleibt dessen ungeachtet dabei, immer wieder ökologische Akzente beim Bau zu setzen.
Es gibt interessante Nebeneffekte der Passivbauweise, welche sich auf die Lebensqualität und auf die Arbeitsbedingungen im Caritaszentrum Neuwerk auswirken. Immer wieder macht Einrichtungsleiterin Margrit Mixdorf die Erfahrung, dass ihr Angehörige, die einen Pflegeplatz suchen, bei der Besichtigung sagen: Das ist das erste Altenheim, in dem es nicht riecht. Das wissen selbstverständlich auch die Bewohnerinnen und Bewohner und die Mitarbeitenden sehr zu schätzen.
Nicht umsonst wird diese ständige Zirkulation von frischer Außenluft im Architektendeutsch "Komfortlüftung" genannt. Die ebenfalls bestens gedämmten Fenster brauchen nicht geöffnet zu werden. So kann man direkt am Glas sitzen und rausschauen, ohne einen Luftzug abzubekommen. Außerdem spart die mit der Lüftung verbundene Wärmerückgewinnung den Einbau von Heizungen. Die sucht man in den Räumlichkeiten des Caritaszentrums vergebens.
Unauffällig und schick fügen sich die Lüftungssäulen in das Ensemble von Gebäude und Grünanlage ein. Dort wird die frische Luft eingesogen, die im ganzen Caritaszentrum Neuwerk verteilt wird. Diese Technologie in Altenheimen zu verwenden, war vor mehr als 20 Jahren eine innovative Entscheidung.
Alt-Text: Metallene Säule im Außengelände an einem Gebäude.Thomas Hohenschue
Steuern kann man die Temperatur im Zimmer dennoch mit einem Drehschalter, dann wird etwas aufgewärmte Luft dazu gemischt. Dass es keinen Heizkörper gibt, bedeutet für viele ältere Menschen eine Umstellung. Das ist genauso eine Kopfsache wie der Umstand, dass das Prinzip des Passivhauses am besten funktioniert, wenn die Fenster zu bleiben. Frische Luft gibt es ständig neue im Gebäude - aber in den Köpfen bleibt die Gewohnheit, sie selbst und mechanisch hereinzulassen.
Die Mitarbeitenden haben sich auf das warme Klima im Passivhaus gut eingestellt. Die Temperatur entspricht den Bedürfnissen der Bewohner. Viele Kolleginnen und Kollegen sind mit leichter Dienstkleidung unterwegs und empfinden das als durchaus angenehm. Die Technologie ist in jeder Hinsicht unauffällig, unaufdringlich und unscheinbar. Die kleinen Lüfteröffnungen in den Zimmern sieht man kaum und die Lüftungssäulen fügen sich in ihrem edlen metallischen Design gut ins Außengelände ein.
Autor: Thomas Hohenschue