Warendorf (cpm) - Sprechen und Zuhören geht besonders gut, wenn man zusammen geht - das hat die politische Pilgeraktion der Caritas in NRW auf ihrer Etappe rund um Warendorf eindrucksvoll gezeigt. 50 Menschen aus Gesellschaft, Politik und Kirche machten sich auf den Weg nach Freckenhorst, um die gemeinsame Strecke für Gespräche und Diskussionen zu nutzen. Mit im Rucksack: Jede Menge Informationen über die Arbeit verschiedener Caritas-Einrichtungen und der Blick auf aktuelle sozialpolitische Themen.
"Es gilt in der heißen Phase der Sozialstaatsreformen gemeinsam Lösungen zu finden", sagte Diözesancaritasdirektor Dominique Hopfenzitz aus Münster am Startpunkt beim Sozialdienst Katholischer Männer (SKM) in Warendorf. Er forderte dabei auch auf, ehrlich die Frage zu beantworten, was die Gesellschaft mit Blick auf die demografischen Entwicklungen künftig an sozialen Leistungen noch finanzieren kann. "Wir wollen uns in dieser Diskussion für die vulnerablen Gruppen einsetzen, für die wir mit unseren Einrichtungen und Hilfen da sind."
Wie wichtig diese Angebote sind, wurde bereits an dieser ersten Station deutlich. Die Teams in der Sucht- und Drogenberatung, der Allgemeinen Sozialberatung und der Wohnungsnothilfe stellten ihre Arbeit vor. Auch ein junger Klient schilderte seinen Weg aus einer schwierigen Lebenssituation mit Hilfe des SKM. "Es ist immer wieder so beeindruckend wie wichtig, unmittelbar von dieser Arbeit zu hören", sagte Hopfenzitz. "Nur so können wir uns im politischen Diskurs für den unverzichtbaren Einsatz vor Ort stark machen."
Auch Weihbischof Dr. Stefan Zekorn sah darin eine zentrale Aufgabe von Kirche. "Wir brauchen in der Gesellschaft das Wissen, warum soziale Arbeit wichtig ist, denn der Rückhalt dafür ist leider nicht groß." Es fehle vielerorts das Bewusstsein für die Leistung caritativer Arbeit in ihrer vielfältigen Form. "Wir müssen deutlich machen, dass wir diese Leistung nicht einfach zurückfahren können, weil wir alle irgendwann, spätestens im Alter, darauf angewiesen sein werden." Kirche müsse sich für Menschen in Not stark machen. "Die Caritas steht für diesen Auftrag."
Mit den Impulsen dieser ersten Diskussion und dem Pilgersegen des Weihbischofs ging es dann auf die etwa fünf Kilometer nach Freckenhorst. Und damit in die bewegte Auseinandersetzung mit unterschiedlichen Themen. In den kleinen und größeren Laufgruppen ging es um das aktuelle politische Klima, um bürokratische Hürden für soziale Angebote, um Finanzierungsprobleme oder um die Sozialstaatsreformen. In Freckenhorst wurden die Pilger schließlich von Mitarbeitenden der Freckenhorster Werkstätten begrüßt. Sie schlossen sich für den letzten Streckenabschnitt zu ihrem Arbeitsplatz an, einer Werkstatt für Menschen mit Behinderung.
"Ein tolles Format", sagte Michael Füssel aus dem Vorstand des Caritasverbandes für das Kreisdekanat Warendorf. "In Bewegung kommt man leichter ins Gespräch." Er habe mit Verbandsvertretern genauso gut diskutieren können wie mit Kommunalpolitikerinnen oder Mitarbeitenden aus Caritas-Einrichtungen. Auch Birgit Stumm nutzte die innovative Form, Informationen zusammenzubringen und sich zu vernetzen. "Zu Fuß spricht sich einiges leichter an und aus", sagte die ehrenamtliche Inklusionsbeauftragte der Stadt Sendenhorst.
"Ich hoffe, dass die heutigen Wegbegleiter ihre Erfahrungen vom heutigen Tag mit in ihre Arbeit vor Ort nehmen", sagte Hopfenzitz nach dem abschließenden Rundgang durch die Freckenhorster Werkstätten. "Sie alle können sich in den gesellschaftlichen Veränderungen als Multiplikatoren für die Anliegen verletzlicher Gruppen einsetzen." Es könne so deutlich werden, dass "Soziales nicht nur das ist, was einem selbst hilft", sondern eine solidarische Aufgabe, die "unsere Gesellschaft zusammenhält".
Die Pilgeraktion der Caritas in NRW fand im Rahmen des Jahresthemas "Zusammen geht was. Caritas verbindet Generationen" statt. Sie macht Station in den Diözesen von NRW, wo unterschiedliche Bereiche der Caritasarbeit im Mittelpunkt stehen. Schon am kommenden Freitag geht es im Erzbistum Paderborn auf die nächste Etappe.
Von Recke bis Recklinghausen, von Emmerich bis Lengerich - die Caritas im Bistum Münster ist für Menschen in Notsituationen da. Ob Jung oder Alt, Alleinstehend oder Großfamilie, mit Behinderung oder Migrationshintergrund, körperlicher oder psychischer Erkrankung. Unter dem Motto "Not sehen und handeln" sind 80.000 hauptamtliche Mitarbeitende und 30.000 Ehrenamtliche rund um die Uhr im Einsatz. Für die Hilfe vor Ort sorgen 25 örtliche Caritasverbände, 18 Fachverbände des Sozialdienstes katholischer Frauen (SkF) und 3 des SKM - Katholischer Verein für Soziale Dienste. Hinzu kommen 57 Kliniken, rund 150 Einrichtungen der Behindertenhilfe, 205 Altenheime, 95 ambulante Dienste, 115 Tagespflegen, 27 Pflegeschulen, 89 Kindertageseinrichtungen und 22 stationäre Einrichtungen der Erziehungshilfe. Über 6.200 Teilnehmende nutzen jährlich die 350 Fort- und Weiterbildungsangebote des Diözesancaritasverbands.