"Einsamkeit ist ein großes Problem in unserer Gesellschaft. Das erleben wir als Caritas auch in unseren Diensten und Einrichtungen", sagte der Aachener Diözesancaritasdirektor Stephan Jentgens bei der Vorstellung der Ausschreibung am Montag (2. März 2026) in Aachen. Jentgens ist zugleich Vorsitzender der Caritas-Gemeinschaftsstiftung für das Bistum Aachen (CGS), die 2026 seit 20 Jahren besteht. Er erinnerte daran, dass es viele Aktivitäten gebe, der Einsamkeit zu begegnen, denn Einsamkeit habe vielschichtige Folgen. Es springe zu kurz, Einsamkeit als individuelles Problem der Betroffenen zu sehen. Und er erinnerte an die 2002 verstorbene Sozialwissenschaftlerin und frühere Caritas-Vizepräsidentin Teresa Bock aus Viersen, die Namengeberin des Sozialpreises der CGS: "Als eine Pionierin der modernen Sozialarbeit in Deutschland betonte sie stets, dass soziale Probleme nicht nur individuelle Schicksale, sondern politische und strukturelle Herausforderungen sind", sagte Jentgens.
Stellten in Aachen die Ausschreibung für den Teresa-Bock-Preis 2026 vor: Martin Novak, Geschäftsführendes Vorstandsmitglied der Caritas-Gemeinschaftsstiftung für das Bistum Aachen (CGS), Jury-Mitglied Antje Trauzeddel, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie und Stellvertretende Ärztliche Direktorin im Alexianer Krankenhaus Aachen, Schwester Maria Ursula Schneider, Vorsitzende des Stiftungsrates der CGS, und Stephan Jentgens, Diözesancaritasdirektor und Vorsitzender der CGS.DiCV Aachen
Einsamkeit - eine Gefahr für die Demokratie
Mit Sorge, so der Stiftungsvorsitzende weiter, sehe er das Ergebnis einer im Mai 2025 veröffentlichten Studie der Bertelsmann-Stiftung. Demnach stellt Einsamkeit gerade bei jungen Menschen im Alter von 18 bis 30 Jahren eine Gefahr für die Demokratie dar. Wer sich als junger Mensch in Deutschland einsam fühlt, so die Studie, glaubt kaum daran, dass es sich lohnt, sich für die Gesellschaft zu engagieren. Es drohe eine wachsende Anfälligkeit für politische Entfremdung und Radikalisierung. "Weil ich uns als Caritas da auch in einer Verantwortung sehe, dem etwas entgegenzusetzen, wollen wir mit unserer Ausschreibung gerade kleine, auch ehrenamtlich getragene oder unterstützte Projekte, die sich gegen Einsamkeit engagieren, stark machen", so Jentgens weiter.
Antje Trauzeddel, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie und Stellv. Ärztliche Direktorin und Chefärztin im Alexianer Krankenhaus Aachen, ist Mitglied der Jury, die über die Vergabe des Teresa-Bock-Preises entscheidet. Ihre Motivation, in der Jury mitzuarbeiten, begründete sie so: "Überall dort, wo ein Austausch miteinander möglich ist, geschieht automatisch politische und soziale Bildung. Von daher halte ich das Thema der Ausschreibung ,Mit Herz und Haltung gegen Einsamkeit‘ für wichtiger denn je, weil es eine zentrale Aufgabe für Frieden, Demokratie und Wohlergehen ist, die nur mit Menschen für Menschen funktioniert. Und da mit zu schauen, welche guten Projekte es gibt und diese zu unterstützen, interessiert mich und ist mir ein großes Anliegen. Deshalb engagiere ich mich in der Jury." In ihrer Arbeit als Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie begegnet ihr Einsamkeit täglich. "Sie zieht sich durch alle Generationen und ist eng verzahnt mit psychiatrischen Erkrankungen. Patienten, die ich sehe, haben ein hohes Risiko zu vereinsamen. Viele von ihnen verfügen nicht über die Fähigkeiten, etwas dagegen zu tun. Sie kommen schwer mit anderen in Kontakt, ihnen fehlen finanzielle Mittel und Möglichkeiten."
Gesellschaftlicher Spaltung vorbeugen
Schwester Maria Ursula Schneider, Vorsitzende des Stiftungsrates der CGS, der den Teresa-Bock-Preis auslobt, ging auf das Motto der Ausschreibung ein "Mit Herz und Haltung gegen Einsamkeit". Unter einer Person, von der man sage, sie sei mit Herz bei der Sache, verstehe sie: "Das ist ein Mensch, der sich begeistern lässt für eine Sache, von der er überzeugt ist, und für Menschen, für die er sich engagieren möchte. Es geht um Engagement von Menschen für Menschen." Eine innere Überzeugung gehöre unbedingt dazu, aber auch Solidarität: "Das bedeutet: Es geht nicht nur um individuelle Hilfe, sondern immer auch um ein gemeinschaftliches Füreinander." Mit dem Begriff Haltung verbinde sie Stichworte wie Nächstenliebe, "aber ebenso gleichwertig geht es um Fachlichkeit oder Professionalität und eine Einstellung, die den Menschen nicht außer Acht lässt. So gesehen könnte man auch sagen, dass Haltung ein Ausdruck von innerer Kompetenz ist." Mit der aktuellen, der sechsten Ausschreibung des Teresa-Bock-Preises sieht Schwester Maria Ursula die CGS in einer Kontinuität aller bisherigen Ausschreibungen. "Ich meine, dass die Namensgeberin des Preises, die Sozialwissenschaftlerin Teresa Bock aus Viersen, uns zustimmen würde, dass Projekte, die sich der Herausforderung der Einsamkeit stellen, sehr dazu geeignet sind, gesellschaftlichen Spaltungen vorzubeugen." Alle bisherigen Ausschreibungen der Sozialpreises der CGS hätten das Anliegen, darauf hinzuweisen, "dass wir - unabhängig von den verschiedenen Herausforderungen - gesellschaftliche Veränderungen nur in einem Zusammenhalt der Gesellschaft erreichen können und nicht in einem Gegeneinander."
Martin Novak, Geschäftsführendes Vorstandsmitglied der CGS, erläuterte, wer sich um den Teresa-Bock-Preis 2026 bewerben kann: "Gruppen, Personen, Vereine, Pfarreien, kirchliche und zivilgesellschaftliche Initiativen, Unternehmen, Dienste und Einrichtungen im Bistum Aachen können sich bewerben. Sie müssen bestehende Projekte und Initiativen vorweisen, mit denen sie Einsamkeit begegnen. Da ist der Kreativität keine Grenzen gesetzt." Dies können z.B. generationenübergreifende- oder Nachbarschaftsprojekte sein, Beratungsangebote, Treffpunkt- oder Freizeitangebote etc. - Initiativen, die das Miteinander stärken und so die Teilhabe des Einzelnen ermöglichen. Es sei auch möglich, dass Dritte bestimmte Projekte, Initiativen oder Personen für eine Bewerbung vorschlagen. "Wichtig ist, damit die Jury ihre Entscheidung treffen kann, dass es seitens der Projekte und Initiativen aussagekräftige Beschreibungen gibt, gerne mit Fotos, Links, Video-Clips, Artikeln, Berichten", so Novak weiter.
Bewerbungsschluss ist am 13. Juni 2026
Bewerbungen können bis zum 13. Juni 2026 online eingereicht werden unter https://caritasstiftung-aachen.de/teresa-bock-preis-2026/. Über die Bewerbungen um den mit 10.000 Euro dotierten Preis entscheidet schließlich eine unabhängige sechsköpfige Jury. Ihr gehören an Antje Trauzeddel, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, Alexianer Krankenhaus Aachen, Prof. Dr. Ulrich Feeser-Lichterfeld, Professor für Theologie im Fachbereich Sozialwesen an der Katholischen Hochschule Nordrhein-Westfalen, Abteilung Aachen, Sandra Jansen, Leiterin des Kinder- und Jugendzentrums Driescher Hof, Aachen, Norbert Killewald, Geschäftsführender Vorstand der "Sozialstiftung NRW", Prof. Dr. Michael Noack, Professor für Methoden der Sozialen Arbeit im Fachbereich Sozialwesen an der Hochschule Niederrhein, sowie Sina Zehrfeld, Landespolitische Korrespondentin der Rheinischen Post.
Der Teresa-Bock-Preis wird am Mittwoch, 25. November 2026, verliehen.