Jentgens äußerte sich anlässlich der bundesweiten Armutswochen, zu denen der Deutsche Caritasverband, der Sozialdienst katholischer Frauen Gesamtverein (SkF) und der SKM Bundesverband e.V. (Sozialdienst katholischer Männer) aufrufen. Sie stehen 2026 unter dem Motto "Junge Armut!? Gemeinsam für Generationengerechtigkeit". Die Aktionswochen beginnen am 17. Oktober, dem Internationalen Tag für die Beseitigung der Armut, und enden am 15. November, dem von Papst Franziskus ausgerufenen Welttag der Armen.
Der Sozialbericht NRW 2026 zeigt: Das Armutsrisiko in Nordrhein-Westfalen liegt bei 17,8 Prozent - ein Anstieg um 1,2 Prozentpunkte gegenüber 2018. Besonders betroffen sind Kinder und Jugendliche. Fast jedes fünfte minderjährige Kind in NRW lebt in Armut oder ist von Armut bedroht.
"Armut von Kindern und Jugendlichen bleibt oft unsichtbar. Ihre Lebenslagen finden in Öffentlichkeit und Politik noch immer zu wenig Beachtung", sagt Jentgens. Die Armutswochen wollten deshalb junge Armut stärker ins Bewusstsein rücken. "Die von Armut bedrohten Jugendlichen von heute können die überschuldeten Erwachsenen von morgen sein."
Studien zeigen, dass armutsbetroffene Kinder und Jugendliche schlechtere Bildungs-, Ausbildungs- und Erwerbschancen haben. Damit steigen auch die Risiken prekärer Beschäftigung, niedriger Einkommen und späterer finanzieller Krisen. "Wir müssen deutlich machen: Wer in Armut aufwächst, hat ein höheres Risiko, später selbst von Schulden, finanzieller Unsicherheit und sozialer Ausgrenzung betroffen zu sein", betont Jentgens.
Auch Überschuldung ist in NRW kein Randphänomen: Laut Schuldneratlas der Creditreform liegt die Schuldnerquote bei 9,8 Prozent. Zu den Ursachen zählen die stark gestiegenen Kosten für Wohnen, Energie und Mobilität. Nicht selten fließt ein Drittel des Haushaltseinkommens in die Miete. Besonders einkommensschwache Haushalte laufen Gefahr, in eine Verschuldungsspirale zu geraten. Roman Schlag, Fachreferent für Schuldnerberatung beim Caritasverband für das Bistum Aachen, warnt vor den Folgen für ganze Familien: "Überschuldung von Erwachsenen betrifft immer auch ihre Kinder. Materielle Notlagen beeinträchtigen Bildungschancen, Gesundheit und gesellschaftliche Teilhabe. Kinder dürfen nicht die Leidtragenden finanzieller Krisen ihrer Familien sein."
Damit wächst auch die Gefahr, dass sich Armut und Überschuldung über Generationen hinweg verfestigen. Besonders gefährdet sind Kinder von Alleinerziehenden, aus Mehrkindfamilien und aus Familien mit niedrigen Bildungsabschlüssen. "Frühe Hilfen, armutsfeste Familienleistungen und niedrigschwellige Schuldnerberatung können Wege aus der Spirale von Armut und Überschuldung eröffnen", so Schlag.
Einen wichtigen Beitrag zur Generationengerechtigkeit leistet die soziale Schuldnerberatung der verbandlichen Caritas und der Freien Wohlfahrtspflege. Sie stabilisiert Familien, schützt Kinder vor Armutsfolgen, beugt Wohnungsverlust vor und stärkt gesellschaftliche Teilhabe. "Schuldnerberatung ist nicht nur Krisenintervention, sondern ein wichtiger Baustein erfolgreicher Kinder- und Familienpolitik", betont Schlag.
Diözesancaritasdirektor Stephan Jentgens bringt den Zusammenhang auf den Punkt: "Armut heute bedeutet fehlende Chancen morgen. Jede verhinderte Kinderarmut ist zugleich Prävention gegen zukünftige Überschuldung."
Presseinformation
Caritas: Kinderarmut heute ist Überschuldung von morgen
Erschienen am:
14.10.2026
Herausgeber:
Caritasverband für das Bistum Aachen e.V.
Haus der Caritas
Kapitelstraße 3
52066 Aachen
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