Helfen, wenn würdiges Weiterleben an einer geringen Geldsumme zu scheitern droht
Laura Gielata und Cynthia Jurak bekommen Woche für Woche die ganze Bandbreite des Lebens zu sehen. Wer sie besucht, kennt ihre wichtige Arbeit und vertraut ihnen. Oder es steht einem das Wasser bis zum Hals, so dass Scheu und Scham überwunden werden. Manchmal gibt es Tipps aus Beratungsstellen und Fachdiensten, die Menschen mit der Allgemeinen Sozialen Beratung in Schleiden oder Simmerath zusammenführen.
Menschen in verschiedensten Lebenslagen fassen zu ihnen Vertrauen und lassen sich beraten (v.l.n.r.): Laura Gielata, Cynthia Jurak und Miriam KeutgenThomas Hohenschue
Besonders wichtig ist den beiden Sozialarbeiterinnen, mit den Hilfe- und Ratsuchenden die Dinge zu sortieren, die das Leben gerade schwierig machen. Manches lässt sich kurzfristig ändern, manches erfordert einen langen Atem, eine Auseinandersetzung mit Behörden oder auch mit eigenen Verhaltensmustern oder Beziehungen. Den Menschen tut es gut, dass ihnen jemand zuhört, verbindlich etwas sagt und Hilfen anbahnt.
Den Beraterinnen wiederum tut es gut, wenn ihre Gegenüber Vertrauen fassen, denn viele haben schlechte Erfahrungen mit staatlichen Stellen und erleben jetzt, dass ihnen die Eifeler Caritas und mit ihr ein weitverzweigtes Hilfesystem der freien Wohlfahrt entgegenkommt. Das verändert den Blick der Betroffenen und bestärkt sie darin, unterstützende Angebote anzunehmen und ihren Teil zum Verbessern der Situation beizutragen.
Das ist unschätzbar wertvoll für Menschen, die keine tragfähigen eigenen Netzwerke haben, wie zum Beispiel viele Alleinerziehende oder geflüchtete Familien. Neben der psychosozialen Dimension gibt es auch die materielle Komponente, denn viele Hilfe- und Ratsuchende sind wirtschaftlich schlecht aufgestellt. Ihr Einkommen ist auf Kante genäht, da darf nichts dazwischenkommen oder schiefgehen, sonst geht es gleich ans Eingemachte.
Die Caritas bietet Menschen in schwieriger finanzieller Lage vielfältige Hilfen, das Spektrum reicht vom Möbellager über Kleiderkammer bis hin zu Lebensmittelgutscheinen. Trittbrettfahrer gibt es wenige, so ist auch die langjährige Erfahrung von Miriam Keutgen. Die Sozialarbeiterin beteiligt sich als Vorgängerin der beiden Kolleginnen der Eifeler Caritas am Austausch und kennt das ganze Thema von A bis Z, bis in die letzten Winkel und Hintertüren.
Sie hat auch Erfahrung im Einsatz eines Instrumentes, das aus guten Gründen nur dosiert und sehr gezielt eingesetzt wird. Ab und zu hat sie während ihrer Zeit bei der Allgemeinen Sozialen Beratung, also von 2008 bis April 2026, vom Kinderhilfefonds der Caritasstiftung für das Bistum Aachen Gebrauch gemacht. Das ist ein kleines, aber feines Budget für Direkthilfen. Denn manchmal scheitert ein Fortkommen an verhältnismäßig geringen Geldsummen.
Da ist zum Beispiel die Alleinerziehende, die endlich eine erschwingliche Wohnung für ihr Leben mit Kindern gefunden hat. Jetzt fehlen ihr die finanziellen Mittel, um die Kaution zu hinterlegen. Manchmal benötigen Antrags- und Bearbeitungsprozesse ihre Zeit und eine Familie gerät in Liquiditätsprobleme. Wenn das Kindeswohl gefährdet ist, gibt es rasch und unbürokratisch Geld für Pampers und Babynahrung. Das alles wendet schwierige Momente ab.
Zugleich gilt hier das Gleiche wie bei allen Beratungen und Begleitungen, bei denen so unmittelbare Nöte nicht im Mittelpunkt stehen. Die Tür wird aufgemacht zu Angeboten, die strukturell weiterhelfen. Denn niemand möchte neue Abhängigkeiten schaffen. Immer geht es um eine mittel- und langfristige Perspektive der Hilfe zur Selbsthilfe. Zugleich wissen alle, dass diese Gruppen keine starke Lobby haben, und verstehen ihre Arbeit als Kontrapunkt dazu.
Ein Beitrag aus Anlass des 20-jährigen Bestehens der Caritas-Gemeinschaftsstiftung für das Bistum Aachen. Allein die Dachstiftung förderte in diesem Zeitraum über 70 Projekte mit insgesamt rund 760.000 Euro. Aus der Stiftung gespeist wird auch der Kinderhilfefonds. Über regionale Caritasverbände wie dem Eifeler kommt er Familien mit Kindern zugute.
Bericht: Thomas Hohenschue