Frische Impulse und Finanzspritzen für sozial-caritative Arbeit im Bistum Aachen
Welche Gedanken standen 2006 Pate bei der Gründung der Gemeinschaftsstiftung?
Martin Novak: Das Bistum Aachen steckte damals mitten in der Bewältigung einer finanziellen Krise. Diese Situation brachte auch uns beim Diözesancaritasverband dazu, über zusätzliche Finanzierungsquellen für die verbandliche Arbeit nachzudenken. Die Einrichtungen und Dienste der verbandlichen Caritas sind zwar zu einem großen Teil staatlich refinanziert. Aber wir benötigen auch Kirchensteuermittel, zum Beispiel für die notwendige Grundstruktur der Regionalen Caritasverbände und der Fachverbände, aber auch, um die Geschäftsstelle des Diözesancaritasverbandes zu finanzieren. Der Schock von 2003, als die finanzielle Krise des Bistums sichtbar wurde, war für uns ein Weckruf, uns noch stärker als vorher um die Zukunftsfestigkeit unserer Finanzierung zu kümmern.
Martin Novak engagiert sich seit Beginn an als Geschäftsführer der Caritas-Gemeinschaftsstiftung für das Bistum Aachen.Thomas Hohenschue
Dann haben Sie die Caritas-Gemeinschaftsstiftung gegründet. Wie muss man sich die vorstellen?
Martin Novak: Der Staat hatte damals steuerliche Regelungen erlassen, welche die Gründung von Stiftungen attraktiver machte. Wir haben die Caritas-Gemeinschaftsstiftung mit der Idee gegründet, für die Verbände der Caritas im Bistum Aachen als Dachstiftung zu fungieren und damit die verschiedenen Initiativen zu bündeln. Dieses Angebot haben wir auch Regionalen Caritasverbänden unterbreitet, zwei sind darauf eingegangen. Wir entlasten die Personen und Institutionen bei der administrativen Arbeit und legen ihr Geld hochverantwortlich und transparent an. Zugleich wussten damals viele Menschen, die etwas Sinnvolles mit ihrem Vermögen bewegen wollten, nicht so genau, wie es geht. Da haben wir unter dem Dach der Stiftung unsere Beratung angeboten, wie sie das, was sie wollen, in Form von neuen Stiftungen oder Zustiftungen verwirklichen können.
Das ist die Seite des Einsammelns und Bündelns von Vermögen. Wie sieht es auf der Ausgabeseite aus?
Martin Novak: Wir haben, wie es das Stiftungsrecht vorsieht, ein Gremium, das über eingegangene Förderanträge entscheidet und Erträgnisse der Stiftungen gezielt einsetzt. Eine wichtige Linie ist seit 20 Jahren die Anschubfinanzierung von Projekten und Angeboten, die einen neuen Charakter haben und oft in dieser Innovationsphase keine staatliche Refinanzierung erhalten. Da ist die Förderung durch die Caritas-Gemeinschaftsstiftung für das Bistum Aachen eine wertvolle Hilfe. Wir sind froh, darüber einen wertvollen Beitrag zur Entwicklung der verbandlichen Caritas zu leisten, in allen Regionen, von Caritas- und Fachverbänden. Das wirkt nachhaltig.
Unter dem Dach der Gemeinschaftsstiftung gibt es auch die Caritas-Kinderhilfe. Was leistet sie?
Martin Novak: Wir machen die Erfahrung, dass vielen Menschen, die der Gesellschaft etwas zurückgeben wollen oder andere idealistische Motive haben, das Wohl von Kindern und Jugendlichen besonders am Herzen liegt. Wir kennen die verbandliche Landschaft sehr gut und können daher die Stifter und Spender bestmöglich unterstützen, ihren Willen umzusetzen. Daher gibt es zahlreiche Förderungen von Angeboten der Kinder- und Jugendhilfe im Bistum Aachen. Ein besonderer Blick gilt auch entsprechenden Initiativen in
unseren Partnerregionen in Sibirien, Tansania und Kolumbien. Kindern und Jugendlichen soll es weltweit gut gehen, diese Überzeugung verbindet uns alle.
Sie sprachen den Idealismus der Menschen an, die einen Beitrag leisten. Wie erleben Sie sie?
Martin Novak: Jeder Beitrag zählt und ist wertvoll, sei es eine Spende anlässlich eines runden Geburtstags, sei es die Berücksichtigung der Stiftung im Nachlass, sei es die Gewährung eines Stifterdarlehens. In unseren Gesprächen erleben wir Menschen, die dankbar sind für das Glück, das sie im Leben erfahren haben. Häufig haben sie im Laufe ihres Lebens eine Verbindung zur Caritas aufgebaut und möchten, dass daraus etwas bleibt und entsteht, auch wenn sie nicht mehr da sind. Wir beraten ganz offen, stellen jedoch häufig fest, dass die Menschen bereits ziemlich klare Vorstellungen haben. In diesen Situationen sprechen wir dann darüber, wie wir das am besten miteinander umsetzen.
Die ersten 20 Jahren Caritas-Gemeinschaftsstiftung sind vorbei, wie geht es in die Zukunft?
Martin Novak: Die ersten 20 Jahre haben uns überzeugt, dass dieser Ansatz der richtige ist, um die verbandliche Caritas im Bistum Aachen und deren sozial-caritative Arbeit mit frischen Impulsen und finanziellen Förderungen gezielt zu unterstützen. Wir sind dankbar für alle Hilfe, die wir dabei erfahren, und setzen unsere Energie darin, weitere Menschen und Institutionen zum Mitmachen zu gewinnen. Stellvertretend für die Win-Win-Situation, die sich aus diesem Ansatz ergibt, steht der Teresa-Bock-Preis. Den schreiben wir alle drei Jahre aus und nehmen dabei wichtige gesellschaftliche Anliegen in den Blick. Auf den diesjährigen Preis zum Thema Einsamkeit haben sich sensationell viele Projekte beworben. Das zeigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind.
Das Gespräch führte Thomas Hohenschue.