Eine anspruchsvolle Schönheit: das Haus Clee im Bethanien Kinderdorf Schwalmtal
Wenn zum Tag des offenen Denkmals überall historische Häuser ihre Türen aufmachen, ist das prächtige Kleinod in dem Schwalmtaler Ort nicht auf der Liste. Für die Caritas im Bistum Aachen macht Stephan Joebges jedoch gerne eine Ausnahme. Als Leiter der Verwaltung des Kinderdorfes hat er zunehmend mit dem Gebäude zu tun. Denn die Dominikanerinnen von Bethanien, die dort leben, werden weniger und benötigen entsprechend weniger Raum. Was frei wird, stellen die Schwestern im Rahmen eines Mietvertrags der gGmbH zur Verfügung, welche die von ihnen gegründeten Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe tragen und betreiben.
Das Baudenkmal Haus Clee in Waldniel war der Grundstein für das heutige Bethanien Kinderdorf Schwalmtal.Thomas Hohenschue
Das Haus Clee blickt auf eine wechselvolle Geschichte zurück. Auf der Fläche befand sich einst ein Rittergut, später ein schlossartiger Herrensitz. Dann ließ Kommerzienrat Josef Kaiser 1937 das heutige Gebäude errichten, im Stil eines englischen Landhauses. Nach dem Tod des Industriellen erwarben die Dominikanerinnen die Immobilie, als Grundstein für das heutige Bethanien Kinderdorf Schwalmtal. Jetzt schreibt sich die Geschichte fort. Inzwischen ist bereits die Geschäftsführung in die erste Etage eingezogen. Zu bestimmten Anlässen werden auch die früheren Gemeinschaftsräume der Schwestern im Erdgeschoss für Kinder und Angestellte des Kinderdorfes geöffnet.
Stephan Joebges berichtet, wie diese Räume künftig für Konferenzen und ähnliche Zwecke ertüchtigt werden sollen. Größte Bedeutung hat dabei der Respekt vor dem Denkmalschutz, um die Architektur des Gebäudes in ihrer ästhetischen Wirkung zu bewahren. Das ist einerseits eine Pflicht, die manche Dinge kompliziert und teuer macht. Andererseits lässt der Verwaltungsleiter keinen Zweifel daran, wie wertvoll das kulturelle Erbe ist, das hier mit einer neuen Funktion versehen wird. Mit großer Liebe zu der Schönheit und Eleganz, die sich im Raumeindruck, aber auch in vielen Details zeigt, führt Stephan Joebes durch das Haus.
Verwaltungsleiter Stephan Joebges begeistert sich auch für die pfiffigen Details, wie diese Gurtbänder für Rollladen, die in der Holzvertäfelung kaschiert werden.Thomas Hohenschue
Schon das Foyer mit seinem eindrucksvollen Treppenaufgang imponiert, ein stimmiges Ensemble in Braun- und Beigetönen, die sich in der gesamten historischen Innenarchitektur wiederfindet. Hohe, schlanke Fenster in weißen Holzrahmen gliedern in ansprechender Leichtigkeit die Räume. Diese Formsprache wird bei Türen und Schränken aufgegriffen. Die Details haben es Stephan Joebes angetan: Stoffbezüge für Türglas, Holzparkett, das in jedem Raum anders ist, eines davon als quadratische Stäbchen, die man theoretisch anders legen könnte, wenn man wollte.
Ganz praktische Aspekte und Lösungen, die man vor 90 Jahren gefunden hatte, begeistern den Verwaltungsleiter. Für die hohen Herrschaften kaschierte man, wie es damals üblich war, den Wirkungsraum der Angestellten. Es gab ein eigenes Treppenhaus und einen eigenen Aufzug für die Beschäftigten. Letzterer ist auch für die Servicetechniker der Aufzug-Firma ein Kleinod, er gehört zu den ältesten seiner Art in Deutschland, mit ausklappbarem Sitz. Pfiffig hinter Holzvertäfelung verborgen sind die Gurtbänder, mit denen man im Erdgeschoss die Außenrollladen bediente.
So ein altes, denkmalgeschütztes Haus besitzt viel Schönes und Charme, aber fordert auch heraus, wenn es nicht nur museal genutzt werden soll. Vieles darf nicht verändert werden, das schränkt Gestaltungsspielräume ein. Energetisch wäre einiges zu tun, um Kälte im Winter und Hitze im Sommer in Schach zu halten. Die eleganten Fenster sind zum Teil noch einfach verglast. Der Dachboden wird bereits mit Dämmung versehen, um Heizverluste zu vermindern. Schritt für Schritt geht es in Richtung eines Gebäudes, das sich neue Bestimmungen erschließt.
Autor: Thomas Hohenschue