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Caritas im Bistum Aachen wird weiterhin in Westsibirien helfen

Besuch aus SibirienBesuch einer Delegation des Caritasverbandes im Bistum „Verklärung des Herrn“ in Novosibirsk am 26. Juni 2018 in Aachen. Das Foto zeigt (v.l.) Tatjana Trofimova, Direktorin der Ortscaritas in Omsk, Schwester Maria Elisabeth Jakubowitz, die fühere Diözesancaritasdirektorin in Novosibirsk, Sr. Darya Rasskazova, Direktorin des Caritasverbandes im Bistum „Verklärung des Herrn“ in Novosibirsk, Dr. Mark Brülls, Auslandshilfereferent des Diözesancaritasverbandes Aachen, Natalja Sokolova, stellvertretende Diözesancaritasdirektorin in Novosibirsk, Diözesancaritasdirektor Burkard Schröders und Schwester Maria Ursula Schneider, Zweite Vorsitzende des Caritasverbandes für das Bistum Aachen.DiCV Aachen

Der Brand bricht am frühen Abend aus. Glücklicherweise sind einige Bewohnerinnen des Mutter-Kind-Heims im russischen Barnaul zum Einkaufen gegangen, und zum Glück wird der Brand von der Nachtwache frühzeitig bemerkt, sodass das Haus evakuiert werden kann und niemand verletzt wird. Die Schäden am und im Gebäude sind dennoch groß: Zwar meldet die Anlage des Mutter-Kind-Heims den Brand der örtlichen Feuerwehr, doch diese kann den Alarm aufgrund eines technischen Defekts nicht zuordnen. Deshalb rückt die Feuerwehr, obwohl nur wenige hundert Meter vom Heim der Caritas entfernt, erst nach 40 Minuten und mehreren Anrufen an. Zwischenzeitlich hat das Feuer das Dachgeschoss, den Dachstuhl und das Dach stark beschädigt. Weitere Schäden verursachen die Löscharbeiten, bei denen das gesamte Haus mit Wasser und Schaum geflutet wird. Ursache für das Feuer, so die Feuerwehr, war ein elektrischer Kurzschluss. Eine Feuerversicherung gibt es nicht, sie wäre für die Caritas nicht bezahlbar.

Zwei Monate sind seit dem Brand vergangen, als die russischen Partner auf Einladung von Diözesancaritasdirektor Burkard Schröders zu Besuch im Haus der Caritas in Aachen sind. Seitdem ist in Barnaul viel geschehen: Dank Spenden - auch der Caritas-Kinderhilfe Aachen - konnten das Dach repariert, das Haus renoviert und die unbrauchbar gewordenen Möbel und Hausratgegenstände neu angeschafft werden. Möglich war dieser Kraftakt nur deshalb, weil nicht nur die Mitarbeiter der Caritas, sondern auch die Bewohnerinnen des Mutter-Kind-Heims und andere Freiwillige tatkräftig mit angepackt haben.

Barnaul - so schildern Sr. Darya Rasskazova, Direktorin des Caritasverbandes im Bistum "Verklärung des Herrn" in Novosibirsk, Natalja Sokolova, ihre Stellvertreterin, und Tatjana Trofimova, Direktorin der Ortscaritas in Omsk - ist eine der ärmsten Regionen Russlands. "Wer in Russland jung und gesund ist, kann ein normales Leben führen", sagt Natalja Sokolova. Doch es fehlt eine soziale Absicherung gegen soziale Risiken. Lediglich eine medizinische Notfallversorgung und minimale Ansprüche auf staatliche Leistungen im Falle von Arbeitslosigkeit und Alter erheben Anspruch auf einen gewissen Schutz vor diesen sozialen Risiken. Faktisch ermöglichen sie aber gerade einmal das Überleben der Betroffenen. "In Russland ist die Familie der erste soziale Schutz", führt Sokolova weiter aus. Doch nach dem Fall des Eisernen Vorhangs sind viele Familien zerbrochen, weil Väter ihre Familien nicht mehr ernähren konnten. Alkoholmissbrauch, die Vernachlässigung von Kindern und Gewalt in der Familie waren keine seltene Folge - eine gesellschaftliche Entwicklung, mit der die Caritas im Bistum Novosibirsk bis heute zu kämpfen hat.

Eine aktuelle Problematik sind Schulden, die für Wohnraum aufgenommen werden (müssen): Bei einem Durchschnittseinkommen von 25.000 Rubel (340 Euro) machen Mieten von durchschnittlich 10.000 Rubel (140 Euro) einen großen Teil des verfügbaren Einkommens aus. Hinzu kommen stark gestiegene Lebensmittelpreise. Diese haben inzwischen das Niveau von Deutschland erreicht, wie die Besucherinnen bei ihrer Reise festgestellt haben. Wohneigentum ist deshalb so wichtig, damit Einkommen für den Kauf von Lebensmitteln verbleibt und Gemüse und Obst für den Eigenbedarf angebaut werden können.

Die Frage von Burkard Schröders, wie der Caritasverband für das Bistum Aachen seine Partner in Russland unterstützen kann, beantworten die Besucherinnen einmütig: Eine stabile Finanzierung für das Mutter-Kind-Heim in Barnaul ist die dringlichste Herausforderung, vor die sich die Caritas im Bistum Novosibirsk gestellt sieht.

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