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Auszubildende mit Behinderung des DiCV Aachen spricht beim „Barcamp Bildung inklusiv“ der TH Köln

Junge Frau hält in einem Hörsaal der Technischen Hochschule in Köln eine Powerpoint-Präsentation. Sie steht an einem Stehpult, im Vordergrund sieht man eine Zuhörerin.Elisa Rauch macht in der Geschäftsstelle des Caritasverbandes für das Bistum Aachen eine Ausbildung zur Kauffrau für Büromanagement. Da sie von Kindesbeinen an halbseitig bewegungseingeschränkt ist, braucht die 19-Jährige spezielle elektronische Hilfsmittel für den Computer. Darüber berichtete sie beim Barcamp "Bildung inklusiv" an der TH Köln.DiCV Aachen

Elisa Rauch hat einen eisernen Willen. Noch im Mutterleib hat die mittlerweile 19-Jährige einen Schlaganfall erlitten. Der wurde aber erst zehn Monate nach ihrer Geburt diagnostiziert. Die Folge: Sie kam rechtsseitig gelähmt zur Welt. Trotz dieses Handicaps stand für sie immer fest: "Ich wollte eine ganz normale Ausbildung machen." Sie besuchte eine Schule für Körperbehinderte, machte dort den Hauptschulabschluss. Doch der reichte ihr nicht, sie wollte einen besseren Abschluss an einem normalen Berufskolleg machen. "Obwohl es mir die Agentur für Arbeit und die Schule für Körperbehinderte nicht zugetraut haben, habe ich den Abschluss geschafft", erzählt sie stolz. Elektronische Hilfsmittel hatte sie am Berufskolleg nicht, allerdings eine Schreibassistenz. Die nahm ihr das Schreiben per Hand und am Computer ab. Seit August 2017 ist Elisa Rauch nun Auszubildende in der Geschäftsstelle des Caritasverbandes für das Bistum Aachen. Dort macht sie eine Lehre zur Kauffrau für Büromanagement.

Als sie Ende 2016 die Zusage für die Ausbildung bei der Caritas bekam, nahm sie sofort Kontakt zur Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe auf. Mit Sandra Rösemeier, die bei der Stiftung das Projekt "Junger Mensch und Schlaganfall‘" betreut, überlegte sie, welche Hilfsmittel sie für die Ausbildung haben müsste und wo sie die beantragen könnte. Nahezu ein Jahr dauerte es, bis die Hilfsmittel bewilligt und an ihrem Arbeitsplatz im Haus der Caritas waren: eine spezielle Tastatur für Linkshänder, eine Handschuhmaus für die linke Hand, um die Hand zu entlasten, spezielle Sprachsoftware für längere Texte sowie ein Headset. "Ohne die Unterstützung von meinem Arbeitgeber und der Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe hätte ich das Prozedere nicht geschafft und hätte wahrscheinlich die Ausbildung abgebrochen", sagt Elisa Rauch.

Doch ihre Hartnäckigkeit und die Unterstützung von Caritas und Schlaganfall-Hilfe haben sich ausgezahlt. Jüngst wurde sie von Prof. Dr. Isabel Zorn, Leiterin des Instituts für Medienforschung und Medienpädagogik an der Fakultät für Angewandte Sozialwissenschaften der TH Köln angesprochen, ob sie nicht beim Barcamp Bildung inklusiv der TH über ihre Schullaufbahn, ihre Ausbildung und über ihre Ausstattung mit Hilfsmitteln und die Beantragung sprechen könnte. Das Barcamp widmete sich der Frage, wie Bildungsprozesse in Hochschulen und in Angeboten der Sozialen Arbeit - auch durch digitalen Medieneinsatz - unterstützt werden können. Den Kontakt zu der Wissenschaftlerin hatte Elisa Rauch bekommen, als Prof. Zorn Ende 2017 in der Geschäftsstelle des Caritasverbandes für das Bistum Aachen über das Thema Digitalisierung in der Sozialen Arbeit sprach. Gemeinsam mit Christel Homberg, Fachreferentin in der Geschäftsstelle des Caritasverbandes, bereitete Elisa Rauch den Vortrag beim Barcamp vor. Dort berichtete die Auszubildende dann über ihren Werdegang und die technischen Unterstützungen, die ihr überhaupt die Ausbildung erst möglich machen.

Elisa Rauchs Wunsch für die Zukunft? "Ich finde es wichtig, dass es für alle behinderten Menschen eine bessere Unterstützung sowie ein vereinfachtes Verfahren gibt, um eine richtige Versorgung zum Beispiel mit Hilfsmitteln zu bekommen", sagt sie. Eine einheitliche Institution, in der Ärzte, Krankenkassen, Jobcenter und Organisationen zusammenarbeiten, bei der alle Anträge zu bekommen wären und Hilfen angeboten würden, schwebt ihr vor. "So könnte man den Menschen viele Wege und Zeit ersparen und die Arbeitsämter und die Krankenkassen entlasten", meint Elisa Rauch.