Sozialraumorientierte Integration


weitere Fakten

I

n einwohnerstarken Stadtteilen und Wohnvierteln findet eine fortschreitende soziale Spaltung statt, von der Einheimische und überproportional Migranten betroffen sind. Diese Stadtteile und Wohnviertel weisen erhebliche Defizite auf im Hinblick auf ihre Sozialstruktur, den baulichen Bestand, das Arbeitsplatzangebot, die soziale und kulturelle Infrastruktur, die Qualität der Wohnungen, des Wohnumfeldes und der Umwelt. Gleichzeitig verlieren bisher bestehende Milieus (Nachbarschaft, Familie, Vereine, Kirchengemeinde) zunehmend an integrativer Bedeutung für den Einzelnen.

Die räumliche Konzentration der verschiedenen Problemlagen und Defizite belastet das Zusammenleben und kann zu Destabilisierungsprozessen führen, die sich auf die Bewohner/-innen - Einheimische wie Migranten gleichermaßen - auswirken. Die Menschen in diesen Stadtteilen und Wohnvierteln sind in ihrer schwierigen sozialen Situation oft überfordert, sich mit anderen kulturellen Gepflogenheiten auseinander zu setzen, sodass es vermehrt zu Konflikten kommt, die aber nur selten offen ausgetragen werden. Die Spannungen manifestieren sich vielmehr im negativen sozialen Klima des Wohnumfelds: Die verschiedenen ethnischen Gruppen leben nebeneinander her, statt miteinander zu leben. Begegnung ist jedoch eine wichtige Voraussetzung für Integration. Ausgrenzung und fehlende Integrationsangebote führen zu Verunsicherung und zum Rückzug der Bewohner/-innen in ihre jeweiligen nationalen, ethnischen und religiösen Nischen. Langfristig kann das zur Festschreibung wechselseitiger Vorurteile und zur Isolation führen, die wiederum vielfältige Konflikte, Missverständnisse und andere Probleme nach sich ziehen können.

In der verbandlichen Caritas als Teil der Katholischen Kirche hat sozialräumliche Arbeit eine lange Tradition. Die Sozialraumorientierung hat mit ihren Grundprinzipien (Stärkung der Selbsthilfekräfte und der Autonomie, Vernetzung der sozialen Kräfte, Unterstützung unter Berücksichtigung der individuellen Voraussetzungen und der sozialen Bezüge) eine hohe Übereinstimmung mit wichtigen sozialethischen Grundlagen der Caritas: Personalität, Subsidiarität und Solidarität. Die Caritas ist vor Ort, sie geht aktiv auf die Bedürfnisse der Menschen ein und sucht in Solidarität mit ihnen nach Antworten für die Gestaltung der Zukunft.